Wir sind Regenbogen/Alternative Linke.

Uns ist es wichtig, uns dort zu organisieren, wo sich unser Alltag abspielt. Wir haben die Schnauze voll von politischer Selbstinszenierung und einer Ideologie des Pragmatismus, die jede wirkliche Veränderung verhindert. Stattdessen müssen ehrliche Ziele gesetzt werden, ohne engstirnige Weltanschauungen zu verfolgen. Wir verfolgen keine Partikularinteressen, sondern setzen uns für die Studierenden aller Fachbereiche ein. Wir sind in Fachschaftsräten, aber auch in vielen Gruppen und Initiativen über den Campus hinaus aktiv.

Für ein selbstbestimmtes Studium.

Die Arbeitsbelastung in den BA/MA-Strukturen ist sehr groß. Der Leistungs- und Prüfungsdruck führt für viele Studierende zu psychischem Stress und Burnout. Zusätzlich zur Überbelastung auch in allen anderen Lebensbereichen, kommt die Überforderung durch das Studium. Die Tatsache, dass in vielen Studiengängen nur ein kleiner Teil der BA-Studierenden einen Masterplatz bekommt, erhöht den Druck zusätzlich. Ein selbstbestimmtes Studium wird durch vorgefertigte Stundenpläne ersetzt, die uns Kurse, Zeiten und Reihenfolge vorschreibt. Auf individuelle Belange, etwa die Notwendigkeit, sich den Lebensunterhalt neben dem Studium zu verdienen, wird keine Rücksicht genommen. Anwesenheitslisten und elektronische Kontrolle über das Anmelde-System Stine sollen Studierende disziplinieren. Die Fächervielfalt wird vor allem in den Geistes- und Sprachwissenschaften immer weiter reduziert und gesellschaftskritische Lehrangebote rausgedrängt. Dabei zeigt nicht zuletzt die aktuelle Wirtschaftskrise die Grenzen eines Systems, das auf kurzfristiger Gewinnmaximierung basiert, und die Notwendigkeit grundsätzlicher Kritik am Bestehenden. Um das bessere Betreuungsverhältnis der Bachelor- und Master-Studiengänge zu realisieren, werden massiv Studienplätze abgebaut. Wir wollen nicht z.B. in ABK(Allgemeine Berufsqualifizierende Kompetenzen)-Seminaren auf das reibungslose Funktionieren in der Arbeitswelt getrimmt werden. Die Uni soll ein unabhängiger Ort sein, zum ausprobieren und studieren, ein Raum, der Irrtümer zulässt.

Studiengebühren weggrätschen.

Applaus, Applaus für das neue „nachgelagerte“ Studiengebührensystem! Dieser faule Kompromiss stellt keine Verbesserung dar. Die Befreiungstatbestände wurden völlig abgeschafft. Auch Eltern und chronisch Kranke oder Studierende mit Behinderung werden nun zur Kasse gebeten. Dabei lässt sich belegen, dass Studiengebühren die soziale Auslese verschärfen. Die letzte Sozialerhebung des Studierendenwerks macht dies deutlich: Der Anteil der Studierenden aus der „hohen“ sozialen Herkunftsgruppe ist seit 2000 um fast 50% angestiegen. Der allemal geringe Anteil der Studierenden aus der „niedrigen Herkunftsgruppe“ ist hingegen um 3,4 Prozentpunkte auf 11,3 Prozent gesunken. Zähne zeigt wer‘s Maul aufmacht! Eine vernünftige Auseinandersetzung mit Studiengebühren funktioniert nur, wenn man auf allen Ebenen aktiv und hartnäckig bleibt, auch auf der Straße und mit BündnispartnerInnen aus der ganzen Gesellschaft.
Demokratie – Mehr als ein Lippenbekenntnis.
Die vom CDU-Senat eingeführten Managementstrukturen und der als Aufsichtsrat fungierende Hochschulrat haben die akademischen Selbstverwaltungsstrukturen weitgehend verdrängt. An die Stelle universitärer Selbstverwaltung sind Top-down Strukturen getreten. Wir fordern die Abschaffung des Hochschulrates und die Demokratisierung der Uni.
Für mehr Rechte von gesellschaftlich Benachteiligten Gruppen.
Das vom AStA abgeschaffte unabhängige Frauenreferat muss wieder eingeführt werden. Wir halten die Teilautonomie für ein wichtiges Prinzip, um es benachteiligten Gruppen dieser Gesellschaft zu ermöglichen, ihre Interessen zu vertreten.

Freiräume erhalten.

Freiräume und selbst verwaltete studentische Cafés sind ein wichtiger Bestandteil des universitären Lebens von Studierenden. Wir brauchen Rückzugsorte und Freiräume, in denen Platz ist für Diskussionen, Gedanken und Gespräche außerhalb der Hörsäle und Unterrichtsräume. Im letzten Semester waren einige dieser Freiräume von Schließungen bedroht und auch zukünftig will die Universitätsleitung über Umbauten schleichende Schließungen der Cafés erreichen, dem stellen wir uns in den Weg!

Wir sind Klasse!

Zwei Drittel aller Hamburger Studierenden arbeiten während des Studiums. Die meisten schuften für miese Löhne, Praktika werden – wenn überhaupt – dann oft nur symbolisch bezahlt. Die letzten Jahre standen im Zeichen sinkender Reallöhne bei massiv steigenden Unternehmensgewinnen. Wir finden es wichtig, dass auch an der Uni über diese Umverteilung von unten nach oben geredet wird. Konkret könnte das heißen, dass im ABK-Bereich über Rechte von Beschäftigten informiert wird und Strategien von Arbeitskämpfen diskutiert werden. Denn die Zeiten in denen ein akademischer Abschluss Garant für eine gutbezahlte Festanstellung war, sind längst vorbei. Wenn wir mit der Uni fertig sind, werden auch für viele von uns Schweinereien wie Hartz IV ebenso zum Alltag gehören, wie mehrere Jobs auf einmal bei trotzdem leeren Kühlschränken.

Politik über den Tellerrand.

Die Uni ist kein von der Gesellschaft isolierter Raum. Unser politisches Engagement beschränkt sich deshalb nicht nur auf die Universität. Auch in anderen Bereichen finden wir viele Anknüpfungspunkte: Das Auftreten rechter Gruppierungen an der Uni und in der Gesellschaft sind nur ein Ansatzpunkt unserer Politik. Wir organisieren antifaschistische Proteste gegen Aufmärsche und andere Aktivitäten von Nazis. Eine ungerechte und unmenschliche Migrationspolitik, die ausschließlich anhand ökonomischer Gesichtspunkte ausgerichtet ist, Repression und Kriminalisierung sozialer Bewegungen, sowie die immer weiter zunehmende Überwachung des öffentlichen Raumes sind weitere Probleme, gegen die wir aktiv sind.

Aufstehen statt Hinsetzen.

Parlamente sind niemals der Motor für vernünftige gesellschaftliche Veränderungen. Die Delegierung von Interessensvertretung „nach oben“ in der Hierarchie führt selten zum Erfolg. Im Gegensatz zum Juso-AStA wollen wir mit Euch gemeinsam für unsere Interessen kämpfen. Man muss sich auch mal die Hände schmutzig machen: Demonstrieren, diskutieren und wenn nötig besetzen.
Der derzeitige AStA gibt viel Geld für Selbstdarstellung aus, was er Transparenz nennt – und spart das Geld bei politischen und kulturellen Initiativen. Studentische Proteste und Veranstaltungen, wie der Boykott der Studiengebühren im letzten Jahr oder die Queer-Feministische Hochschulwoche, konnten seitdem nur stattfinden, weil sie von Gewerkschaften oder von ASten aus anderen Städten mitfinanziert wurden. Auch an der obrigkeitshörigen Uni-Präsidentin Monika Auwerter-Kurz haben die Jusos und Liberalen nichts auszusetzen. Freimütig unterstützen sie Stine und haben auch mit einem fremdbestimmten Hochschulrat keine Probleme.

Wir wollen uns aber nicht hinsetzen und bedienen lassen, wir wollen uns die Hände schmutzig machen und aufstehen für eine gerechtere Politik. Für diese Gesellschaft, für diese Universität und vor allem: Mit Euch gemeinsam.