Bad News

Gefunden in der WELT-Online:

Ilkhanipour will wieder studieren

2. Oktober 2009, 15:26 Uhr

Die Trauer über diese Nachricht dürfte sich in der Hamburger SPD in Grenzen halten: Danial Ilkhanipour, der gescheiterte Direktkandidat für den Wahlkreis Eimsbüttel, hat erklärt, nach dem Wahldebakel eine „Auszeit“ von der Politik zu nehmen. Er will sich auf sein Jura-Studium konzentrieren…

Nach seiner vernichtenden Niederlage bei der Bundestagswahl am vergangenen Sonntag strebt der 27-Jährige nach eigenen Angaben vorerst keine politischen Ämter mehr an. Vorrangig sei nun der Abschluss seines Jura-Studiums, sagte Ilkhanipour im Gespräch mit dem NDR. Laut dem Eimsbütteler SPD-Kreisgeschäftsführer Matthias Marx habe er zudem angekündigt, für ein halbes Jahr in die USA zu gehen. Aus dem Landesvorstand der SPD und dem Kreisvorstand in Eimsbüttel werde der frühere Hamburger Juso-Chef turnusgemäß ausscheiden.

Bei der Bundestagswahl war Ilkhanipour zum Ärger etlicher Sozialdemokraten im traditionell linken Wahlkreis Eimsbüttel angetreten. Dort setzte sich der CDU-Kandidat Rüdiger Kruse durch, Ilkhanipour wurde hinter Krista Sager von der GAL sogar nur Dritter. Damit ging ein Wahlkreis, der seit mehr als 50 Jahren fest in sozialdemokratischer Hand war, erstmals wieder an den politischen Gegner.

Nach Ansicht von Kritikern hatte Ilkhanipour die Direktkandidatur im November 2008 „putschartig“ an sich gerissen. Er gab seine Kandidatur erst bekannt, nachdem er sich heimlich eine Mehrheit organisiert hatte. Mit seinem knappen Sieg kegelte Ilkhanipour – früher Mitarbeiter des Sprechers des rechten Seeheimer Kreises in der SPD, Johannes Kahrs – den Parteilinken Niels Annen aus dem Rennen.

Mit dem Rückzug Ilkhanipours endet jetzt eine jener SPD-Possen, die der Partei gerade in Hamburg schwer geschadet haben. Übrig bleiben nur noch letzte Aufräumarbeiten: Eine Ortsvorsitzende, die zur Wahl eines Gegenkandidaten aufgerufen hatte, soll noch aus der Partei geworfen werden. Das gleiche Schicksal soll auch jene treffen, die Ilkhanipour-Plakate mit Boykott-Aufrufen überklebt hatten.

Zudem werden die Kandidaten für künftige Bundestagswahlen in einem neuen Verfahren auserkoren – alle Parteimitglieder sollen in einer Urabstimmung entscheiden. Vermutlich wird dann ein alter Bekannter wieder auftauchen: der von Ilkhanipour ausgebootete Niels Annen, der übrigens auch wieder studiert.

Die Hamburger SPD hatte bei der Bundestagswahl zum ersten Mal ihre Spitzenposition eingebüßt und war knapp hinter der CDU gelandet. Außerdem verloren die Sozialdemokraten drei von sechs Direktmandaten an die CDU. Nach dem Wahldesaster war SPD-Landeschef Ingo Egloff zurückgetreten. Olaf Scholz, derzeit noch geschäftsführender Bundesarbeitsminister und Gewinner des Wahlkreises Hamburg-Altona, soll sein Nachfolger werden. Scholz hatte bereits 2000 bis 2004 als Landesvorsitzender die Geschicke der SPD Hamburg gelenkt.


1 Antwort auf “Bad News”


  1. 1 Vermischtes « Entdinglichung Pingback am 20. Oktober 2009 um 11:51 Uhr
Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.